Ein Stützpunkt mit Geschichte: Die Gründungsjahre der Laufener Hütte

Schon vor der Sektionsgründung kam bei den Laufener Bergsteigern der Wunsch auf, in der Hocheisgruppe am Vorderberghörndl einen bescheidenen Stützpunkt zur Erholung, während der langen Touren in diesem Gebiet zu schaffen. Nachdem bekannt wurde, dass Alm- und Weideberechtigte die niedergebrannte Vorderbergalm wieder aufbauen wollten, sah man die Chance hierbei zugleich einen unbewirtschafteten Unterkunftsraum für die Bergsteiger einzurichten oder andernfalls eine eigene Schutzhütte für 10 Personen zu errichten.

Nach einigem Schriftverkehr mit dem zuständigen Forstamt Ramsau und einer gutachterlichen Befürwortung durch den Vorsitzenden des Salzburg-Chiemgauischen-Sektionentages folgte am 11. April 1923 mit einem Schreiben des Verwaltungausschusses des DÖAV die Ernüchterung.  Die Hocheisgruppe befand sich im Arbeitsgebiet der Sektion Hochland, die schon ein ähnliches Ansinnen formuliert hatte. Auf Geheiß des Verwaltungsausschusses nahm diese jedoch davon Abstand und errichtete im Jahre 1922 die erste Blaueishütte, die 1955 durch eine Lawine zerstört wurde.

Die Laufener bemühten sich nun ein eigenes Arbeitsgebiet zu erhalten und in weiterer Folge einen Stützpunkt für Bergsteiger zu schaffen. Aufgrund der guten Kontakte zur Sektion Salzburg und dem Umstand, dass das Arbeitsgebiet der nach dem ersten Weltkrieg nicht mehr existierenden Sektion Abtenau von den Salzburgern zusätzlich betreut wurde, war es nun die Gelegenheit entsprechend tätig zu werden. Diesbezügliche Verhandlungen mit allen Betroffenen verliefen ausschließlich mit einhelliger Zustimmung.

Am 1. Ostertag 1925 war der lawinensichere Baugrund der Laufener Hütte über dem Tenngrund mit seiner Alphütte auserkoren und am 8. Juni des gleichen Jahres begann Zimmerermeister Rupert Posch aus Abtenau mit den Bauarbeiten nach den Plänen von Franz Schönherr aus Laufen.

Im Nachhinein betrachtet sind wir über den Werdegang dieser Geschichte äußerst glücklich und erfreuen uns nun seit 100 Jahren an unserem nach wie vor vergleichsweise einfachen Stützpunkt für Bergsteiger des südöstlichen Tennengebirges dessen Ursprünglichkeit nie verloren ging.

 

Quellen: Archiv Sektion Laufen, Archiv des Deutschen Alpenvereins, Chronik Laufener Hütte von Josef Balzar, 1986

 

Bildquellen:

Aufstieg (angebl. 1916, Fotograf unbekannt), Quelle: Josef Bernauer

Tennalpe 1916, Fotografin: Eugenie Goldstern

vermutlich 4. Oktober 1925 (Fotograf unbekannt), Quelle: Josef Bernauer

Hütte gegen Gamsfeld (um 1930, Fotograf unbekannt) Quelle: ©Archiv Sektion Laufen

Laufener Hütte (mögl. 1927, Fotograf unbekannt) Quelle: Josef Bernauer